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Avanti aktuell
Die 2004er-Ausgabe - ein europäisches Einzelstück
Mitgenommen ins 21. Jahrhundert hat der heutige Avanti das Antlitz mit dem voll eingekleideten Bug und den eingelassenen Rundaugen, eben den stilistischen Loewy-Anleihen, die so typisch sind und auch in der Neuzeit einen ganz eigenen Charme versprühen. Das fette Heck mit den ums Eck gezogenen Strichrückleuchten und den eingepackten Stossstangen ist Anschauungsunterricht amerikanischer Design-Sprache. Dahinter verbirgt sich immerhin so viel Platz, dass auch Golfer ihr Werkzeug samt Weekendbags mittransportieren können.

Drinnen werden ausdrückliche Souvenirs des 63er-Avanti augenfällig – wenngleich in ziemlich abgeschwächter Form. Elektrisch verrückbare, gut gebaute Sessel surren einen in die exakt gewünschte Position hinters steile, recht opulente Lederlenkrad.
Beim Anwerfen der Maschine irritiert der zünftige Ton, der hier angeschlagen wird. Aha: Der Corvette-V8-Sound dringt ans Ohr, obgleich hörbar besänftigt. Denn der Avanti ist ein gewandter Herrensportler, apart wie eine Golferhose, nichts fürs verruchte Proletariat. Fliegen tragende Architekten, Designer – vielleicht –, Ärzte, Rechtsanwälte dürften ihn mögen. Und logisch ihre Frauen, da der Avanti etwas ganz Besonderes ist, ein Gentleman nämlich.

Das Herz vorne, eine Leihgabe von der Corvette (LS1), mobilisiert 345 PS und 475 Nm bei 4400/min. Sein Ruhepuls ist sehr niedrig, wie bei echten Sportlern eben. Innerorts tuckert man locker mit 900/min im 6. Gang. Es gäbe ihn auch mit 4-Stufen-Automat. Doch das Corvette-Transaxle-Getriebe lässt sich ritterlich sportiv schalten. Wer aufs Gas drückt, merkt, dass der Small-Block-V8 aus jeder Drehzahl heraus mit kräftigem Schub antwortet – besonders nachhaltig für die Nackenmuskeln ab 4000/min.
Das zweite Aha-Erlebnis hat der Chauffeur, lenkt er den Avanti in Kurven ein. Der mit einem Pontiac Firebird-Fahrwerk ausgerüstete, satt gefederte Hecktriebler mit ausbalancierter Achslast übt sich gut im Gran-Turismo-Gebaren, hängt flott am Lenker, bei einem Gut-Herren-Drift rümpft niemand die Nase. Natürlich muss auch verziehen werden: Der Kunststoffsportler entwickelt auf Buckelpisten ein wenig Eigenleben, er hoppelt schon mal. Wir verzeihen ihm gerne.

Quelle (Text und Bilder): Auto Illustrierte März 2005


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